Spiele um 1900
Noch zu Beginn und in der 1.Hälfte
unseres Jahrhunderts haben wir eine breite Spielkultur in Deutschland
aufzuweisen. Im öffentlichen Bereich, dem Kaffeehaus, dem Hotel-Salon
und der Kneipe, dominierte das Kartenspiel. Das waren zunächst einmal
landschaftsgebundene Traditionen wie Binokel, Gaigel, Schafskopf und Tarock.
Wer aber auf sich hielt, städtische Weitläufigkeit besaß
und auch zeigen wollte, spielte dagegen Whist, später Bridge und
vor allem Schach.
Ein Frau von Welt aber, so wollten es die Anstandsregeln, rührte
an diesen Orten weder Brett- und schon gar keine Kartenspiele an. Allenfalls
das ästhetisch schön anzuschauende, gerade 100 Jahre alt gewordene
Domino-Spiel wurde ihr zugestanden. Doch die Damen machten aus der Not
eine Tugend und übertrugen, listig wie sie waren, viele altbekannte
Kartenspiele auf die kleinen gepunkteten Steine. Nur wer ganz genau hinschaute,
konnte feststellen, dass hier sogar mit Dominosteinen auf-Spielteufel-komm-raus
gepokert wurde. Kein Wunder also, dass uns aus dieser Zeit so viele Domino-Varianten
überliefert sind.
Im privaten Bereich wird das Brettspiel geradezu zu einem Symbol der bürgerlich-häuslichen
Idylle. Man spielt mit den Kindern die lustig-bunten Meggendorfer-Spiele,
einfache Umlauf- und Start-Ziel-Spiele. Mit der Ehegattin und den erwachsenen
Töchtern das englische Halma (erst um 1857 erfunden!) und vor allem
das brandneue sensationelle "Salta". In seiner aufregend jugendstiligen
Aufmachung war es das Modespiel der Jahrhundertwende, das man einfach
kennen musste. In den Zeitungen wurden die neuesten Partien der verehrten
"göttlichen" Schauspielerin Sarah Bernhard gegen den Autor
dieses Spiels, den Hamburger Musiker Büttgenbach abgedruckt. Ja,
man konnte sogar eine eigene Salta-Zeitschrift bestellen, um sich so zur
höheren Meisterschaft in diesem Spiel aufzuschwingen.
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