Spiele im Zeitalter des Barocks
Barock und Aufklärung brachten
in das Spiel einen intensiven geistig-kreativen Akzent mit dem Erfolg,
dass wir die wechselseitige Einwirkung vor allem in den Künsten wie
Malerei und Architektur, aber auch in die Literatur bis heute verfolgen
können.
Gotthold Ephraim Lessing, der als Bibliothekar ebenfalls eine Zeit am
Wolfenbütteler Hof verbracht hat, liebte das Schachspiel und setzte
ihm in seinem wohl bedeutendsten Drama "Nathan der Weise" ein
Denkmal. Böse Zungen behaupten, sein Schachtisch sei das einzige
authentisch nachweisbare Möbel im Wolfenbütteler Lessing-Gedenkhaus.
Alles andere sei halt nur aus seiner Zeit, aber nie von ihm benutzt worden.
Diese geistig und politisch unruhige Zeit des Barock und der Aufklärung
war überhaupt eine Hoch- und Blütezeit des Spiels. In Frankreich
wurde während der Revolution gar eine Göttin des Spiels als
Zeichen der neugewonnenen Freiheit auf die Ehre der Altäre gehoben.
Trutzige Bilder zeigen, wie Freiheitskämpfer auf den Barrikaden Karten
spielen. Ihre Karten zeigen die neuen bürgerlichen Tugenden Freiheit,
Gleichheit, Brüderlichkeit als die höchsten Trümpfe. Auch
hier hatten sie den verhassten König mitsamt seinen Damen und Buben
vertrieben.
Die bald einsetzende Restauration brachte allerdings neue Modespiele auf.
Die neue vornehme Gesellschaft und jeder, der in Frankreich dazu gezählt
werden wollte, spielte in den überall aufkommenden bürgerlich-intellektuellen
Salons plötzlich L'hombre, ein aus Spanien stammendes Kartenspiel,
das wir als einen Vorläufer des Bridge ansehen können. Goethe
lernte es während seiner Straßburger Zeit kennen und hassen.
Ihm wollte es nicht in den Kopf, dass nur derjenige wirklich Ansehen in
dieser Gesellschaft genießt, der auf akkurate Art die Spielkarten
halten und ausspielen kann. Diese L'hombre-Seuche störte auf lange
Zeit sein Verhältnis zum Spiel.
Nur wer diesen Hintergrund kennt, kann ermessen, wie schockiert er war,
als ihm zugetragen wurde, dass ausgerechnet einer seiner besten Freunde,
nämlich Friedrich Schiller, sich nächtelang dem L'hombre-Spiel
hingebe. Selbst wenn Frau Schiller sich schon zur Ruhe begeben habe, würde
Friedrich mit den Bediensteten bis in die tiefe Nacht weiterspielen, wussten
Weimars Klatschbasen zu berichten.
Goethe war beunruhigt und ermahnte den Dichterfreund, ein wenig mehr an
seine dramatische Produktion zu denken und weniger zu spielen. Was er
allerdings nicht wusste, war die Tatsache, dass Schiller aufgrund seiner
Erkrankung große Atemnot bekam, wenn er sich schlafen legte. Da
er aber nicht Tag und Nacht mit Arbeiten und Schreiben verbringen konnte,
zog er es halt vor, sich lieber ein wenig mit Spielen abzulenken und beim
Spiel zu entspannen. Goethe hat übrigens in der Weisheit des hohen
Alters wieder etwas anders über das Spiel gedacht und zum Schachspiel
zurückgefunden.
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