Spiele
in der Nachkriegszeit
In der Nachkriegszeit, der Zeit
des Wiederaufbaus, hatte man jedenfalls anderes im Kopf als "ausgerechnet
Spielen". Das Spielen wurde plötzlich allein den Kindern zugewiesen
und zugleich als kindisch und geradezu minderwertig abgetan. Erwachsene
spielten nicht, das war schlicht Zeitvergeudung. Es hielten sich allenfalls
noch ein paar klassische und vor allem bodenständige Spiele, die
sich das einfache Volk nicht nehmen ließ.
Die pädagogische Wissenschaft verinnerlichte diese Vorstellungen
und lieferte den entsprechenden theoretischen überbau. Danach hat
das Spiel nur eine Bedeutung für das Kind in seinen beiden ersten
Entwicklungsstufen. Mit dem Eintritt in die Pubertät ist die Spielphase
abgeschlossen. Es beginnt der ausschließliche Ernst des Lebens,
es wird nicht mehr gespielt, jetzt wird fürs Leben gelernt.
Und so kam es in der Lernspielphase Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre
gar so weit, dass selbst dem Kind Spielen plötzlich nur noch dort
gestattet werden sollte, wo damit deutlich erkennbar auch Lernabsichten
und möglichst kontrollier- und regulierbare Lerneffekte verbunden
waren. Aber die Kinder verweigerten sich plötzlich, wiesen diese
pädagogisch autorisierten, pädagogisch manipulierten Spiel-Angebote
ab. Als ob sie wüssten, was ihre Eltern inzwischen vergessen hatten,
dass nämlich Spiel immer auch zugleich ein Lernen ist, aber nur dort,
wo es sich frei entfalten kann. Spiel ist nun einmal ein höchst spiritueller
Vorgang und lässt sich nicht wie eine Lampe, je nach Bedarf, an-
und ausknipsen.
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