Spiele während der Reformation
Übrigens gab es in dieser Zeit
auch geistliche Häupter, die über die sicherlich abzulehnenden
Auswüchse hinaus nicht bereit waren, gleich jedes Spiel und jede
Spielart als Teufelswerk zu verdammen. Martin Luther liebte das Wurfzabelspiel
sehr und pflegte es mit seiner Frau und seinen Freunden. Er soll es sogar
einmal zum Gegenstand einer Predigt gemacht haben, die aber wohl nicht
überliefert ist.
Dieses Wurfzabelspiel war nichts anderes als jene Variante auf dem Backgammon-Brett,
die heute noch in Griechenland sehr beliebt ist und dort "portes"
genannt wird. Über die Kreuzzüge war dieses Spiel nach Europa
gekommen und wurde in nahezu in allen Ländern sehr bald zum meistgespielten
Brettspiel. Wir finden es daher in sehr, sehr vielen mittelalterlichen
Abbildungen wieder, insbesondere in der Buch-und Initialenmalerei.
Auch ein aufgeklärter, allen Wissenschaften und Künsten zugewandter
Fürst begegnet uns auf unserem weiteren Streifzug durch die Spielgeschichte.
Er hat sich an der Schwelle der beginnenden Neuzeit in besonderer Weise
um das Spiel und seine Verbreitung verdient gemacht. Es ist der berühmte
Herzog August von Wolfenbüttel.
Unter dem Pseudonym Gustavus Selenus schreibt er 1616 die erste Schachgeschichte
und Schachtheorie in deutscher Sprache. Ein großes Familienporträt
zeigt, dass an seinem Hof viel und nicht nur Schach gespielt wurde. Die
Frauen pflegen Konversationsspiele, wie wir sie auch aus den Büchern
des Philipp Harsdörfer kennen, an den Tischen wird Wurfzabel und
Schach gespielt, und es wird musiziert - jung und alt munter durcheinander.
Das Bild zeigt einen sehr viel breiteren Spielbegriff, als wir ihn heute
pflegen.
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