Spiele bei den alten Germanen

Streifzüge durch die Geschichte der Spiele und des Spielens
Ein Bericht von: Dr. Bernward Thole

10 teilig - Antike bis 80er Jahre

Sie übernahmen gerade diese Glücksspielvariante von den Römern und zwar mit einer Leidenschaft, die selbst die Römer einigermaßen irritierte. Tacitus berichtet in seiner Beschreibung unserer Gegend, dass die Germanen in ihren Spielen ohne Bedenken Haus und Weib und Kinder zum Pfand einsetzten. Ja, sie waren sogar bereit, ihre eigene Freiheit "auf's Spiel zu setzten" und folgten dann auch bei Verlust eben derselben willig dem Gewinner in die Sklaverei. Das Leben war eben einfach verspielt und nichts mehr wert, wenn die Götter einen nicht mehr liebten und dies dadurch zeigten, dass sie das Glück entzogen. Auch hier tritt wieder der religiös-mythologische Urgrund des Spiels und allen Spielens wieder deutlich in Erscheinung. Wo wir nun schon einmal in Germanien angelangt sind, bleiben wir dort, machen aber einen großen zeitlichen Sprung ins Mittelalter. Die Christianisierung hatte unsere Vorfahren und insbesondere auch ihre Spielleidenschaft domestiziert. Man liebte es, tiefsinnig über die Magie der Zahlen zu philosophieren und geriet über ihre innere Mathematik ins Schwärmen. Aber das war nur die intellektuelle Oberfläche. Darunter schwelte doch die alte Spielleidenschaft weiter. Das beweist deutlich der Einbruch der Spielkarte in diese Idylle. Ungefähr 1376 muss sie in einem italienischen Hafen (vielleicht in Neapel?) an Land gegangen sein und löste unmittelbar darauf in ganz Europa ein Spielfieber ohnegleichen aus. Ihr Weg über Italien in die europäischen Staaten ist mit obrigkeitlichen Verboten geradezu gepflastert: 1376 in Florenz, 1377 in Basel, 1380 in Nürnberg usw. Kartenspielen lenkt ab vom Pfad der Tugend, so lautet der durchgängige Tenor, und vor allem von der Arbeit zum Nutzen der Herrschenden. Gemeint und angesprochen war damit in erster Linie das einfache Volk, nicht so sehr die Oberen in \del und Kirche. Wie dem auch sei, gespielt wurde auf allen Plätzen des öffentlichen Lebens, bis hinein in die Kirchen. Da musste eben mal ein Machtwort gesprochen werden. Bußprediger zogen umher und wetterten wider die Spielleidenschaft. Einer der rührigsten war der Mönch Capistrano. In Erfurt, in Frankfurt, in Nürnberg, überall errichtete er aus dem eingesammelten Spielgerät große Scheiterhaufen und zündete sie an. Spiele-Verbrennungen - auf großen Gemälden sind sie festgehalten. Dem Sammler, der sie betrachtet, blutet das Herz ob der brennenden kostbaren Spielbretter und Spielkarten. Des einen Freud, des anderen Leid: dem Spielhistoriker erleichterten diese Spielverbote und diese Bußexpeditionen enorm die Arbeit. Deshalb bewegen wir uns gerade im Bereich der Spielkarte und seiner Geschichte auf bereits einigermaßen erforschtem Gebiet.