die Spiele im Zeitalter des Barocks

Streifzüge durch die Geschichte der Spiele und des Spielens.
Ein Bericht von: Dr. Bernward Thole

10 teilig - Antike bis 80er Jahre

Barock und Aufklärung brachten in das Spiel einen intensiven geistig-kreativen Akzent mit dem Erfolg, dass wir die wechselseitige Einwirkung vor allem in den Künsten wie Malerei und Architektur, aber auch in die Literatur bis heute verfolgen können. Gotthold Ephraim Lessing, der als Bibliothekar ebenfalls eine Zeit am Wolfenbütteler Hof verbracht hat, liebte das Schachspiel und setzte ihm in seinem wohl bedeutendsten Drama "Nathan der Weise" ein Denkmal. Böse Zungen behaupten, sein Schachtisch sei das einzige authentisch nachweisbare Möbel im Wolfenbütteler Lessing-Gedenkhaus. Alles andere sei halt nur aus seiner Zeit, aber nie von ihm benutzt worden. Diese geistig und politisch unruhige Zeit des Barock und der Aufklärung war überhaupt eine Hoch- und Blütezeit des Spiels. In Frankreich wurde während der Revolution gar eine Göttin des Spiels als Zeichen der neugewonnenen Freiheit auf die Ehre der Altäre gehoben. Trutzige Bilder zeigen, wie Freiheitskämpfer auf den Barrikaden Karten spielen. Ihre Karten zeigen die neuen bürgerlichen Tugenden Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit als die höchsten Trümpfe. Auch hier hatten sie den verhassten König mitsamt seinen Damen und Buben vertrieben. Die bald einsetzende Restauration brachte allerdings neue Modespiele auf. Die neue vornehme Gesellschaft und jeder, der in Frankreich dazu gezählt werden wollte, spielte in den überall aufkommenden bürgerlich-intellektuellen Salons plötzlich L'hombre, ein aus Spanien stammendes Kartenspiel, das wir als einen Vorläufer des Bridge ansehen können. Goethe lernte es während seiner Straßburger Zeit kennen und hassen. Ihm wollte es nicht in den Kopf, dass nur derjenige wirklich Ansehen in dieser Gesellschaft genießt, der auf akkurate Art die Spielkarten halten und ausspielen kann. Diese L'hombre-Seuche störte auf lange Zeit sein Verhältnis zum Spiel. Nur wer diesen Hintergrund kennt, kann ermessen, wie schockiert er war, als ihm zugetragen wurde, dass ausgerechnet einer seiner besten Freunde, nämlich Friedrich Schiller, sich nächtelang dem L'hombre-Spiel hingebe. Selbst wenn Frau Schiller sich schon zur Ruhe begeben habe, würde Friedrich mit den Bediensteten bis in die tiefe Nacht weiterspielen, wussten Weimars Klatschbasen zu berichten. Goethe war beunruhigt und ermahnte den Dichterfreund, ein wenig mehr an seine dramatische Produktion zu denken und weniger zu spielen. Was er allerdings nicht wusste, war die Tatsache, dass Schiller aufgrund seiner Erkrankung große Atemnot bekam, wenn er sich schlafen legte. Da er aber nicht Tag und Nacht mit Arbeiten und Schreiben verbringen konnte, zog er es halt vor, sich lieber ein wenig mit Spielen abzulenken und beim Spiel zu entspannen. Goethe hat übrigens in der Weisheit des hohen Alters wieder etwas anders über das Spiel gedacht und zum Schachspiel zurückgefunden.