Spiele um 1900

Streifzüge durch die Geschichte der Spiele und des Spielens
Ein Bericht von: Dr. Bernward Thole

10 teilig - Antike bis 80er Jahre

Noch zu Beginn und in der 1.Hälfte unseres Jahrhunderts haben wir eine breite Spielkultur in Deutschland aufzuweisen. Im öffentlichen Bereich, dem Kaffeehaus, dem Hotel-Salon und der Kneipe, dominierte das Kartenspiel. Das waren zunächst einmal landschaftsgebundene Traditionen wie Binokel, Gaigel, Schafskopf und Tarock. Wer aber auf sich hielt, städtische Weitläufigkeit besaß und auch zeigen wollte, spielte dagegen Whist, später Bridge und vor allem Schach. Ein Frau von Welt aber, so wollten es die Anstandsregeln, rührte an diesen Orten weder Brett- und schon gar keine Kartenspiele an. Allenfalls das ästhetisch schön anzuschauende, gerade 100 Jahre alt gewordene Domino-Spiel wurde ihr zugestanden. Doch die Damen machten aus der Not eine Tugend und übertrugen, listig wie sie waren, viele altbekannte Kartenspiele auf die kleinen gepunkteten Steine. Nur wer ganz genau hinschaute, konnte feststellen, dass hier sogar mit Dominosteinen auf-Spielteufel-komm-raus gepokert wurde. Kein Wunder also, dass uns aus dieser Zeit so viele Domino-Varianten überliefert sind. Im privaten Bereich wird das Brettspiel geradezu zu einem Symbol der bürgerlich-häuslichen Idylle. Man spielt mit den Kindern die lustig-bunten Meggendorfer-Spiele, einfache Umlauf- und Start-Ziel-Spiele. Mit der Ehegattin und den erwachsenen Töchtern das englische Halma (erst um 1857 erfunden!) und vor allem das brandneue sensationelle "Salta". In seiner aufregend jugendstiligen Aufmachung war es das Modespiel der Jahrhundertwende, das man einfach kennen musste. In den Zeitungen wurden die neuesten Partien der verehrten "göttlichen" Schauspielerin Sarah Bernhard gegen den Autor dieses Spiels, den Hamburger Musiker Büttgenbach abgedruckt. Ja, man konnte sogar eine eigene Salta-Zeitschrift bestellen, um sich so zur höheren Meisterschaft in diesem Spiel aufzuschwingen.